1. März 2022

Liebe OSKAR Kundin, lieber OSKAR Kunde,

mit großer Sorge und Anteilnahme beobachten wir die Entwicklung in der Ukraine. Uns erreichen viele Fragen welche Auswirkungen dies auf die Märkte und die OSKAR Depots hat und wie man sich als Anleger am besten verhalten sollte. Dazu möchten wir mit Dir nachfolgend unsere Einschätzung teilen.

Dein OSKAR Team

Ukraine-Krieg: Was bedeutet der Konflikt für meine Geldanlage?

Vom Brandherd im Osten Europas geht Unsicherheit aus. Weiterhin bleiben aber auch Faktoren wie die Inflation und die Erwartung steigender Zinsen prägend fürs Marktgeschehen. Langfristig orientierte Anlegerinnen und Anleger tun gut daran, jetzt nicht hektisch zu handeln.

Der Krieg in der Ukraine hat vor allem für die unmittelbar Betroffenen zum Teil verheerende Folgen. Darüber hinaus strahlt ein solches Ereignis auch auf die eng verflochtene Weltwirtschaft und die Aktienmärkte aus – so dass sich zuletzt auch Anlegerinnen und Anleger hierzulande fragen: Wie bin ich mit meinem Investment von den Folgen betroffen? Die wichtigsten Fragen und Antworten dazu im Überblick – mit speziellem Augenmerk auf die Oskar-Portfolios.

Wie wirkt sich der Krieg auf die Märkte aus?

An den Aktienmärkten kam es seit dem russischen Einmarsch in die Ukraine teils zu deutlichen Kursausschlägen. Ein wirklicher Kursrutsch blieb aber bisher aus. So standen beispielsweise der US-Leitindex S&P 500 zuletzt knapp 3,5 Prozent über und der DAX rund 3,9 Prozent unter ihren Schlusskursen von vor Beginn der Invasion am 24.02. (Stand: 28.02.2022). Der als Angstbarometer für den US-Aktienmarkt geltende Volatilitätsindex VIX sprang am vergangenen Donnerstag im Tagesverlauf kurzzeitig auf fast 38 Punkte nach oben. Er war allerdings schon seit Anfang Februar tendenziell gestiegen. Zur Einordnung:

Als es im Zusammenhang mit der Ausbreitung des Coronavirus vor zwei Jahren zu Unruhe an den Börsen kam, sprang der VIX Mitte März 2020 bis auf über 82 Punkte. Im Vergleich hierzu nehmen die Börsen die aktuelle Eskalation im Russland-Ukraine-Konflikt bisher ohne Panik auf.

Möglicherweise spielt hier eine Rolle, dass der Anteil von Russland an der weltweiten Marktkapitalisierung aller börsennotierten Firmen weniger als ein Prozent beträgt und das Land nur etwa 1,75 Prozent Anteil am weltweiten Bruttoinlandsprodukt hat. Aber selbstverständlich bringt der Krieg Unsicherheit und wirft Fragen auf. Je nach dem weiteren Verlauf des Konflikts kann die Einschätzung an den Börsen von Tag zu Tag, ja von Stunde zu Stunde variieren und zu neuen Kursausschlägen oder auch zu einer Beruhigung beitragen.

Wie verändert die Eskalation die Aussichten mittelfristig?

Der Russland-Ukraine-Konflikt ist einer von mehreren Faktoren, der die Aussichten an den Märkten mitbestimmt. Unserer Einschätzung nach ist er weder derzeit noch in den kommenden Wochen der einzig prägende Faktor für die Erwartungen der Marktteilnehmer. Die Eskalation fällt in ein Umfeld, das schon zuvor geprägt war von vor allem zwei Faktoren: den seit vergangenem Jahr gestiegenen Inflationsraten und der Erwartung nach steigenden Zinsen. Diese beiden Einflussgrößen werden im Grunde weiter bestehen bleiben, könnten aber zeitweise von den Folgen des Ukraine-Konflikts überlagert werden.

Die Spannungen zwischen Russland sowie den USA und der EU haben sich verschärft. Der Westen hat einschneidende Sanktionen angekündigt und zum Teil schon in Kraft gesetzt, etwa ein Abschneiden Russlands vom internationalen Zahlungsabwicklungs-System Swift. Die Handelsbeziehungen zwischen Russland und vielen Staaten werden voraussichtlich deutlich beeinträchtigt werden. Dies kann auch die Geschäfte von Unternehmen etwa in der Europäischen Union negativ beeinflussen. Russland zählt beispielsweise zu den 15 wichtigsten Handelspartnern von Deutschland und hatte 2021 einen Anteil am Außenhandel

von 2,3 Prozent. Außerhalb der EU ist das Land fünftwichtigster Abnehmer deutscher Waren. Für die EU ist Russland fünftwichtigster Handelspartner, Geschäfte mit Russland machen rund fünf Prozent des EU-Warenhandels aus. Die Zahlen machen deutlich, dass der Konflikt sich mittelbar auf Unternehmen in der Europäischen Union auswirken und deren Absatz beeinträchtigen kann. Für die USA sind Geschäfte mit Russland weniger relevant.

Das Land steht als Exportnation für Güter aus den Vereinigten Staaten an 40. Stelle. Abgesehen von direkten stärkeren oder weniger starken Handelsverflechtungen wirft der Konflikt die Frage auf, ob er zu einer Verschlechterung des weltwirtschaftlichen Klimas beitragen könnte. Dies ist aus heutiger Sicht nicht eindeutig zu beantworten. Ein Krieg muss nicht zu einer globalen Eintrübung bei Handel und Dienstleistungen führen und auch nicht zwingend zu einem Börsencrash. Dies zeigt der Blick auf frühere Konflikte. Eine entscheidende Rolle spielen auch die fundamentalen Entwicklungen bei börsengelisteten Firmen. Im bisherigen Jahresverlauf hatte eine Reihe Unternehmen positive Zahlen vorgelegt. Zuletzt hatte sich die Stimmung an den Märkten zum Teil aufgehellt. Grund war die mit einem Abflauen der Corona-Pandemie verbundene Hoffnung auf Normalisierungen bei Lieferketten, Produktion und Dienstleistungen. Dieser Optimismus dürfte vorübergehend in den Hintergrund treten, aber voraussichtlich nicht völlig wieder verschwinden.

Wie stark ist mein Oskar-Portfolio betroffen?

Oskar-Portfolios sind weltweit diversifiziert und je nach Risikokategorie unterschiedlich stark in Aktien, Anleihen und Gold investiert. Bisher waren im Zeitraum seit Kriegsbeginn keine außerordentlichen Ausschläge in den Portfolios zu beobachten. In Portfolios der Anlagestrategie Oskar 90 beispielsweise, die einen Aktien-Anteil von 90% aufweist, lag die Wertentwicklung vom 23.02. bis 28.02. bei 0,92 Prozent (Schlusskurse. Bitte beachte: Die Wertentwicklung Deines Portfolios kann von diesem Wert abweichen, weil jedes Portfolio individuell verwaltet wird).

Das direkte sogenannte Russland-Exposure, also der Teil der Anlagesumme, der in russische Wertpapiere investiert ist, ist in allen Strategien eher gering. Dies hängt unter anderem mit der Marktkapitalisierung börsennotierter Unternehmen mit Sitz in Russland im internationalen Vergleich zusammen, die mit maßgeblich für die Allokation ist. In den Oskar-Portfolios sind russische Werte etwa über den Schwellenländer-Aktien-ETF enthalten. Indexanbieter MSCI erwägt, russische Aktie aus seinen Indizes auszuschließen. Eine Entscheidung steht aber noch aus. Derzeit sind Aktien von Firmen mit Sitz in Russland in dem Schwellenländer-ETF mit weniger als zwei Prozent gewichtet. Der gesamte ETF hat beispielsweise in Portfolios der Kategorie Oskar 90 ein Zielgewicht von knapp 15 Prozent. Insgesamt beträgt das Russland-Exposure (Aktien und Anleihen) in Oskar-Portfolios aller Risikokategorien jeweils deutlich unter einem Prozent. Somit ist nicht zu erwarten, dass Verwerfungen wie der jüngste Kurseinbruch an den russischen Aktienbörsen oder die Handelsaussetzung dort die Performance unserer Kunden-Portfolios auf direktem Weg wesentlich beeinflussen.

Stärker könnte der Anteil europäischer Aktien in den Portfolios betroffen sein. Diese haben etwa bei Oskar 90 ein Gewicht von 19 Prozent. Sollten die genannten möglichen Auswirkungen auf europäische Unternehmen eintreten, könnte sich dies auf die Wertentwicklung dieses Bausteins und der Portfolios auswirken.

Welchen Einfluss hat der Konflikt auf die Inflation?

Die mit dem Ukraine-Krieg einhergehenden Spannungen zwischen Russland und der westlichen Welt könnten die Preise für Öl und Gas weiter steigen lassen. Davor hat etwa das ifo-Institut bereits vor Beginn der Kämpfe gewarnt. Europäische Staaten sind auf Energielieferungen aus Russland angewiesen. Anhaltende Spannungen könnten direkt den Geldbeutel von Verbraucherinnen und Verbrauchern treffen, selbst wenn es nicht zu Lieferstopps kommt. Die Teuerungsraten könnten dadurch 2022 noch höher ausfallen als bisher erwartet.

Oskar-Portfolios können derartige Entwicklungen durch zwei Bausteine zum Teil abfedern: Der Gold-ETC und der ETF mit inflationsgebundenen Staatsanleihen bieten einen gewissen Inflationsschutz.

Was sollte ich jetzt tun?

 Aus unserer Sicht ergibt sich für langfristig orientierte Anlegerinnen und Anleger kein Druck, wegen der aktuellen Lage auf die Schnelle zu handeln. Wenn Du Deine Anlagestrategie passend zu Deinen Vermögensverhältnissen, Deinem Anlagehorizont sowie Deiner Risikobereitschaft und -tragfähigkeit gewählt hast, kannst Du daran auch in einer unsicheren Lage festhalten. Unruhige Phasen an den Märkten und zwischenzeitliche Wertverluste Deines Portfolios gehören zum Anlegen am Kapitalmarkt dazu. Diese sind der Preis für die langfristige Aussicht auf deutlich höhere Renditen als bei Sparanlagen. Auch wenn es reflexhaft naheliegend erscheint, in einer unruhigen Phase mit möglichen Verlusten an den großen Aktienmärkten Geld aus dem Portfolio abzuziehen: Du würdest damit unter Umständen Verluste realisieren, die bisher nur als Buchverlust bestehen. Zudem stündest Du vor der Frage, wann Du den Betrag wieder investierst. Den idealen Zeitpunkt dafür vorherzusagen, ist nicht möglich. Auch dieses Argument spricht eher dagegen, jetzt hektisch zu agieren.

Auch Sparpläne für Dein Oskar-Portfolio kannst Du weiterlaufen lassen. Manche Anleger erhöhen nach einem Kursrutsch sogar ihre Sparplanrate, um zu einem niedrigeren Kurs einzusteigen. Grundsätzlich bietet ein Sparplan die Möglichkeit, unabhängig von der Marktphase regelmäßig zum Vermögensaufbau beizutragen – eine Art zeitlicher Diversifikation.

Disclaimer

Die Kapitalanlage ist mit Risiken verbunden. Der Wert Deiner Kapitalanlage kann fallen oder steigen. Es kann zu Verlusten des eingesetzten Kapitals kommen. Frühere Wertentwicklungen, Simulationen oder Prognosen sind kein verlässlicher Indikator für die künftige Wertentwicklung. Bitte beachte unsere Risikohinweise.